Am frühen Morgen kam Lean zu seiner Arbeit in den Olivenhain. Zuerst holte er die Geräte aus dem Schuppen, die er heute brauchen würde. Als er die große Schere aus der Ecke nahm, sah er eine kleine tote Maus dort liegen und wunderte sich. Eigentlich fraß Mia die Mäuse, die sie fing, auch auf. Nur ab und zu legte sie ihm eine als Geschenk vor die Schuppentür. Noch nie hatte sie welche im Schuppen versteckt. Und überhaupt – wo war Mia eigentlich? Er suchte mit den Augen den Hain nach der kleinen braun-gescheckten Katze ab. Normalerweise begrüßte sie ihn mit freundlichem Gemaunze, wenn er in den Hain kam, und erzählte ihm von ihren nächtlichen Abenteuern. Aber Mia war nicht da.

„Nun, sie wird wohl noch kommen“, dachte Lean und begann mit der Arbeit an den alten Bäumen. Olivenbäume werden beschnitten, damit sie kleiner bleiben und man so die Früchte besser ernten kann. Die Arbeit war schwer, die Erde voll alter Wurzeln und Steine. Die Sonne brannte, und bald schon fing er an zu schwitzen und wurde sehr durstig.

Sein Vesperkorb mit der Thermoskanne war noch im Auto. Er ging zum Eingang, hinaus auf den kleinen Parkplatz zu seinem Wagen. Mit der Thermoskanne setzte er sich auf den großen Stein, der unter der alten Eiche lag. Hier war wenigstens etwas Schatten.

Nach der kleinen Pause fuhr er mit seiner Arbeit an den Bäumen fort, untersuchte Zweig für Zweig und karrte den Beschnitt über das holprige Gelände zum Abfall. Um die Mittagszeit holte er seinen Vesperkorb und ging damit zum Schuppen. Dort war ein kleiner Tisch und ein Hocker, wo er seine Brote auspackte und sich ein großes Glas Rotwein eingoss.

Wie er so da saß, hörte er ein Kratzen und Scharren aus dem Schuppen. Woher genau kam das Geräusch? Er lauschte angestrengt und arbeitete sich vor bis zur hinteren Wand. Hinter allerlei Geräten und Werkzeugen entdeckte er eine alte Kiste, aus der die verdächtigen Geräusche zu kommen schienen. Ein großer Spaten war darauf gefallen und hatte einen Korb mitsamt Inhalt mitgerissen. Es war gar nicht so einfach, die Kiste zu erreichen, doch schließlich lag sie frei.

Er hob den Deckel hoch und heraus schoss mit einem wütenden Miau die kleine Katze Mia. Ihre blauen Augen funkelten zornig als sie die Kiste noch einmal anfauchte. Dann strich sie Lean um die Beine und erzählte ihm von ihrem schlimmen Erlebnis als sie ihn zu seinem Vesperplatz zurück begleitete. Er gab ihr zum Trost ein Stückchen von seinem Käse, und sie legte sich dankbar schnurrend unter den kleinen Tisch, ganz nach bei ihrem großen Freund.