Ich stehe an der Ecke Lexington Avenue und 38th Street und warte. Um mich herum ragen die grauen Häuser hoch in den Himmel. Durch die Straßenschluchten strömt unaufhörlich der Verkehr. Menschen hasten auf den Gehsteigen Richtung Grand Central Station. Sie tragen bunte Regenschirme oder haben ihre Kapuzen tief ins Gesicht gezogen. Der Wind ist eisig und peitscht mir den Regen ins Gesicht. Ich suche Schutz in einem Hauseingang, dessen dunkle Tür abweisend aussieht. Hier ist nichts freundlich. Gegenüber ist ein kleiner Supermarkt. Vom Bäcker daneben weht ein Hauch von frischem Brot herüber, verfliegt aber sofort in der kalten Luft. Die nasse Straße glänzt im Licht der Scheinwerfer und schmutziges Wasser spritzt hoch, wenn die Autos vorbeifahren.

Drüben kommt eine alte Frau auf dem Gehweg angerattert. Vor sich her schiebt sie einen ziemlich ramponierten Einkaufswagen, der gefüllt ist mit diversen Plastiktüten, aus denen hier ein Ärmel hervorschaut, dort eine Pappschachtel. Sie hat das Ganze notdürftig abgedeckt mit einem blauen Müllsack, der dauernd davon zu fliegen droht. Auf der anderen Seite schlendert ein junger Mann daher, den Ghettoblaster auf der Schulter und einen schwarzen Schirm in der Hand. Fetzen von HipHop flattern durch die Luft. Ihm scheint das Wetter ganz egal zu sein. Er geht im Rhythmus seiner Musik, bis plötzlich ein Windstoß seinen Regenschirm packt und ihn umklappt. Jetzt kämpft er mit seinen Sachen, hat Mühe, alles zusammen zu halten und flüchtet sich in den Supermarkt.

Endlich hält ein großes grünes Auto am Bordstein. Das Seitenfenster quietscht beim Herunterfahren und mein Freund Tom ruft: „Sarah, steig ein, schnell, wir können hier nicht stehen bleiben!“ als auch schon die ersten Fahrzeuge hinter ihm zu hupen beginnen.