Der Weg nach Pramort

Mein letzter Tag – ich bin allein. Habe mir ein Fahrrad gemietet und will raus zur Hohen Düne, Richtung Pramort. Viele sind dorthin unterwegs, nicht so einsam wie ich dachte. Der Weg zieht sich. Er führt über den neuen Deich immer geradeaus, durch die Sundische Wiese. Bis 1991 wurde ein Teil des Geländes noch militärisch genutzt. Heute ist es ein großes Renaturierungsprojekt. Im Frühjahr und Herbst rasten hier Kraniche und Gänse. Viele heimische Vogelarten nisten in den feuchten Wiesen. Interessant finde ich den sogenannten Geisterwald. Das sind Birkenwälder, die langsam ertrinken, seit man den alten Deich aufgeschlitzt hat. So will man das ehemals trockengelegte Gelände langsam wieder in den ursprünglichen Zustand zurückführen. Ganz bis zum Ende fahre ich nicht. Vielleicht beim nächsten Mal…

Durch den Nationalpark schweben

Am Freitag machten wir uns auf zu einer Rundwanderung durch die Kernzone des Nationalparks Vorpommersche Boddenlandschaft. Hinter Prerow gibt es einen wunderbaren Rundwanderweg, der zum größten Teil über Holzstege durch das Vogelschutzgebiet führt. Es ist still hier und man kann die Seele baumeln lassen. Ein Fernglas wäre vorteilhaft, um die verschiedenen Vögel zu beobachten zu können. Ich hatte zwar mein Tele dabei, aber kein Stativ – damit wollte ich mich nicht belasten. Vielleicht beim nächsten Mal…

Ein filmreifer Sonnenuntergang

Allein hätte ich mich nicht getraut zum Sonnenuntergang am Weststrand, denn danach muss man einige Kilometer durch den dunklen Wald zurück gehen. Hier knackt ein Zweig, dort raschelt etwas im Unterholz, dort drüben – sind das Augen? Und die Mücken! Ich habe das Gefühl, die haben seit Wochen nur auf mich gewartet!

Aber der Einsatz hat sich gelohnt, finde ich. So ein schönes Farbspiel findet man nicht jeden Tag. Erst waren noch einige Menschen da zum Fotoshooting oder um die Stille zu genießen. Nach und nach gingen dann alle weg und wir waren schließlich zu zweit allein am langen Strand.

Seemannskirche Prerow

Als ich morgens Prerow besuchte, fand ich einen Ort, wo das Leben etwas beschaulicher zu sein scheint als in Zingst. Wenn ich auf Reisen bin, gehe ich gern mal in die Kirchen vor Ort, weil ich sie als Stätten alter Kultur schätze. Besonders interessant fand ich die Seemannskirche in Prerow mit dem wunderschönen Friedhof. Diese Kirche stammt aus dem Jahr 1726/28 und ist die älteste Kirche auf dem Darß. Sie erhielt den Namen, weil sie seit jeher den Seeleuten den Weg von der Ostsee in die Prerow-Strom-Mündung wies.

Auf dem Friedhof um die Kirche findet man wunderschöne alte Grabsteine und schattige Wege sowie die ein oder andere Bank, wo man an diesem stillen schönen Ort abseits des Ferientrubels Ruhe finden kann.

Zingst, ganz früh…

Am Mittwoch war ich bereits vor den Vögeln wach, hellwach. Also nahm ich mein Handy und ging zum Strand. Keiner war da, außer einem einsamen Angler auf der Seebrücke. Sonnenaufgang – lange nicht gesehen.

Nach dem Frühstück wanderten wir zur Meiningen Brücke, einer alten Fachwerkträgerbrücke, die zur Strecke der historischen Darßbahn gehört. Weiter ging es zum Bahnhof Bresewitz, wo heute Ferienwohnungen angeboten werden. Hier sieht man noch Reste der historischen Darßbahn, die Anfang des 20. Jahrhunderts gebaut wurde. Die Strecke zwischen Barth und Prerow wurde Ende der 90er Jahre stillgelegt und die Gleise verrosteten. Aber wir erfuhren am Wegesrand, dass die alte Bahntrasse reaktiviert werden soll. Erst kürzlich hat sich die Landesregierung mit dem Bund über eine Millionen-Förderung geeinigt. So steht zu hoffen, dass die Reaktivierung realisiert werden kann. Größte Herausforderung dabei ist die Errichtung einer neuen Klappbrücke, da die alte Brücke den modernen Ansprüchen nicht mehr gerecht werden kann.

Gegenüber der alten Meiningen Brücke liegt die Große Kirr, wo im Frühjahr und Herbst die Kraniche rasten.

Morgen geht es nach Prerow und zum Sonnenuntergang an den Weststrand…

Die erste Reise 2020

Das Umweltfotofestival in Zingst war abgesagt, doch meine Buchung für das Zimmer hatte ich nicht storniert. Als das Hotel mir den Aufenthalt für eine Woche später anbot, habe ich sogleich zugesagt. Der Darß ist immer schön, auch ohne Festival.

In der Pension lernte ich meine Zimmernachbarin kennen – Fotografin, eigentlich auch wegen des Festivals angemeldet und nun zeitgleich mit mir hier. Sie hat mir ein paar schöne Ecken gezeigt, die ich noch nicht kannte.

Am Dienstag erkundeten wir die Steilküste zwischen Ahrenshoop und Wustrow. Hier gibt es einen alten NVA-Bunker. Natürlich mussten wir rein. Seehr dunkel! Aber die kluge Frau hat eine Taschenlampe dabei.

An der Steilküste kann man noch große Betonbrocken sehen, die ehemals zur Bunkeranlage gehörten und nach und nach abgestürtzt sind. Darum steht am Strand auch ein Schild „Lebensgefahr“. Da schien aber die wenigsten abzuhalten, dennoch dort entlang zu laufen.

Morgen geht es nach Bresewitz…

Die wunderbare Senne

Nicht weit von der Moosheide, wo ich vor knapp zwei Wochen war, liegt das Furlbachtal. Der Furlbach ist eines der kleinen Rinnsale, die dann der Ems zuströmen. Heide und Moore wechseln sich ab mit Wäldern. Der Wanderweg führt dann oben am Rand der sonnendurchfluteten Schlucht entlang, durch die unten munter der Furlbach dahinplätschert. Immer noch ist der Wald in frisches Grün gekleidet. Unzählige Zapfen und andere Baumfrüchte bedecken den Boden, der unter den Füßen leicht federt. Die Vögel singen ihre Lebensfreude in die Welt hinaus. Ich kann sie nicht sehen, aber man hört viele verschiedene Stimmen. Irgendwann lerne ich mal, sie zu unterscheiden.

Direkt vor der Haustür

Direkt vor meiner Tür gibt es ein kleines Stückchen Garten mit vielen Steinen und schlechter Erde. Ich habe es mir zur Aufgabe gemacht, das Stückchen zu bepflanzen und zu wässern. Im Laufe der Jahre habe ich allerlei Samen hineingestreut und manches vermehrt sich ganz gut. Eingerahmt wird das kleine Vorgärtchen von alten Lavendelbüschen, in denen im Sommer die Bienen und Hummeln weiden. Dazwischen stehen Rosenbüschlein und Katzenminze. Jetzt im Frühjahr blühen nach den Schneeglöckchen, Narzissen, Hyazinthen und Tulpen die Polsterstauden. Auch Akelei und tränendes Herz sind schon da und bald kommt der Mohn. Dazwischen habe ich Küchenkräuter gesetzt. So haben nicht nur die Insekten ihre Futterstellen, auch meinen Mahlzeiten gibt das Gärtchen Würze.

Fast vor der Haustür

… sind die schönsten Landschaften. Heute habe ich die Emsquellen für mich entdeckt. Sie liegen in dem Naturschutzgebiet Moosheide, das an den Truppenübungsplatz Sennelager grenzt. Stille Wege durch Wald und Heide, wenige Menschen. Jetzt, Ende April ist alles unbeschreiblich grün. Am hübschesten finde ich derzeit die zarten Birken, die sich mit ihrem hellen Grün von den anderen Bäumen abheben.

Die Emsquelle ist eine Sickerquelle. Das heißt, dass das Quellwasser flächig aus dem Boden austritt. Laut Beschreibungstafel ist es stark sauer, hat wenig Sauerstoff und immer eine Temperatur von circa 9° C. 1995 wurde die Quelle renaturiert. Man hat alles Mensch-gemachte entfernt und überlässt die Quelle seither sich selbst und ihrer eigenen Kraft. Wie gut die Wasserqualität ist, beweist die zahlreiche Brunnenkresse, die kühles, sauberes Wasser und volles Sonnenlicht liebt.

Shut down

Inzwischen ist der Himmel voller Kondensstreifen nur noch Erinnerung. Die Reisen führen durch die eigenen vier Wände oder in die schöne Natur vor der Haustür. Dass es da wunderbar ist, wissen wir nicht erst seit heute. Aber lassen wir uns unsere Umgebung neu entdecken. Kürzlich war ich im Steinhorster Becken, wo es viele Vögel gibt. Hier muss ich noch einmal herkommen, aber dann ganz früh am Morgen…