Liebe und Schmerz

GESANG

Und immerzu singt mein Herz deinen Namen,
ein Lied, so voller Zärtlichkeit und Glück –
wie silberne Töne,
die tanzend vor Freude
auf jedem Sonnenstrahl schweben,
die atemlos zitternd
auf jedem Regentropfen glitzern,
und deinen Namen singend
gehe ich durch den Tag.

Später dann liege ich in der Nacht,
warme dunkle Schwester,
die sanft mich einhüllt,
und mein Traum streift leise dein Gesicht.
Mein Körper schmerzt vor Sehnsucht
nach der zärtlichen Wärme deiner Hände,
die sanft mich streicheln.

Hörst du mich dann?
Mein Herz singt deinen Namen…





Mein Zimmer ist leer und friedlich,
nachdem mein Liebster gegangen ist.
Er ließ die sanfte Stille zurück.
Im Alleinsein
finde ich zu mir.

Mein Herz schlägt ruhig und kräftig,
nachdem die heißen Gefühle verebbt sind.
Sie ließen wohlige Wärme zurück.
In der Stille
begegne ich mir.

Mein Leben soll nicht mehr die Jagd sein
danach, einen anderen Menschen
ins Zentrum meines Daseins zu stellen.
Ich selber
will mir Mittelpunkt sein.

In dieser friedlichen Ruhe finde ich Kraft,
um morgen wieder ohne Angst vor Verlust
mich mit Liebe hingeben zu können,
für eine Weile,
mich zu verschenken.

DAS FEUER STIRBT

ich sage
es macht mir nichts,
wenn da
noch eine andere ist.

aber meine liebe
stirbt
fünkchen für fünkchen.

bei jeder lüge
ein funke weniger.

viele funken sind schon zerstoben.

eines tages
werden nicht mehr genug funken da sein,
um die flamme erneut zu entfachen.

HERZAUSREISSER

ich bin so sehr mit traurigkeit gefüllt,
dass sie als tränen aus mir überfließt.

Ach, liebster, gib mir einen starken haken,
das herz mir auszureissen, dass mich derart quält.

Ich schenk es dir,
und du
weißt damit dann nichts besseres zu tun,
als deinen hunden es zum fraß zu geben.

So bringst zum weinen du mich dann
zum letzten mal.

ABSCHIED – UNGEWOLLT

Keiner wird gefragt, wann es ihm recht ist
Abschied zu nehmen
von Menschen, Gewohnheiten, sich selbst.

Irgendwann, plötzlich, heißt es,
damit umzugehen –
ihn ausschalten, annehmen,
diesen Abschied, diesen Schmerz des Sterbens,
dieses Zusammenbrechen
um neu aufzubrechen…

FREIHEIT, DIE ICH MEINE…

Wenn du mir deine Freundschaft schenkst,
gleich, ob ich fröhlich oder traurig bin,
wenn du mir dein Vertrauen schenkst,
gleich, ob ich kraftvoll oder mutlos bin,
wenn du mir zärtlich zeigst,
dass ich auch müde für dich schön bin –
wenn du mir meine Angst nimmst,
ohne Maske zu sein –
das ist Freiheit.

AN EINE FREUNDIN

Wenn dunkle Wolken meinem Tag
die Sonnenstrahlen nehmen –
Wenn graue Regenschleier meine Welt
in Traurigkeit ertränken –
dann gibt es eine Tür,
an die ich klopfen kann.
Da wird bei stillem Kerzenschein
die Welt ein wenig aufpoliert.

VERMISST?

Was nur mit mir ist?
Ich kann mich gar nicht freuen.
Immerzu nagt an mir ein Etwas –
Ich könnt beinahe schreien.
Der Abend war doch eigentlich
voll Zauber,
so recht dazu gemacht,
zu träumen,
das Essen fein, der Wein sehr gut,
die Dame, die die Blumen brachte,
und auch der Dichter, so charmant…

Und doch, scheint mir, bin ich immun.

Kein Zauber, der mich packte,
nur Bitterkeit,
nur Sehnsucht…

ANGST

Meistens lebe ich in träumen,
nebelläufer, wolkentänzer,
auf der flucht vor grauem alltag
hier in schwarzer wirklichkeit.
Sehnsucht nagt an meiner seele,
kennt sie doch ganz and’re welten,
heit’re bunte schäumeträume,
licht und sonne, lachen, glück.

Doch hier treibt mich furcht so oft,
schatten nimmt mich auf ganz leise,
neblig, so wie letzte schleier,
träume früh am morgen geh’n.

Und ritz ich mir die haut an ecken
dieser mauern hier, die spitz
den weg mit angst mir ganz versperr’n,
zerrt an mir die dumpfe furcht,
nomadig wie novemberluft,
zögre zaudernd ich voran.

Aus tiefen zukunftslöchern
weht wind mir eisig ins gesicht.
Hungrig, pestgeschmack im magen,
stapf ich vorwärts schritt für schritt.

Jeden abend streif ich ab
alte angsthaut, flüchte mich
in stille träume, um am morgen
neue haut mir anzuziehn,
frische glatte morgenhülle.

Bald schon wird sie sich bedecken,
auf dem weg durch furcht und sorge
mit den flecken meiner angst,
aber auch mit hoffnungsschuppen,
schimmernd, golden wie das licht –
denn dass ich den weg noch gehe,
immer weiter trotz der angst,
dank ich lediglich der hoffnung,
diesem licht, das stets mir scheint.

EINSAM

Die Zeit vergeht und man wird älter,
statt wärmer wird es wieder kälter,
und nichts klappt so, wie man es will.
Und ganz allmählich wird man still
und sucht nicht mehr und fragt auch nicht,
was all das soll, und langsam bricht
die Welt in Stücke und in Scherben.
Am liebsten würde man fast sterben.

Man geht ins Bett und schläft nicht ein,
weil es so ungemütlich ist allein.
Man fragt sich, was man falsch gemacht,
und liegt dann da die ganze Nacht
und weint, ganz traurig und so leer,
und sagt sich: „Ach, ich will nicht mehr!“

Doch morgens steht man wieder auf,
auf’s Neue wartet man darauf,
dass sich ´was ändert, ´was geschieht,
damit man endlich einmal sieht:
es lohnt sich doch, es ist doch schön!
Ich hoffe, es wird bald geschehn.

STURMFLUT

Wenn mein Herz nur Flügel hat, um die Welt zu fliehn
Wenn mein Kopf nur Rädchen hat, die den Takt verliern
Wenn meine Seele lauter Wunden hat, und müde ist vom Lieben –
dann manchmal schlägt die Welt
über mir zusammen wie ein Meer.

Es lässt mir keine Luft zum Atmen
Es gibt mir keine Chance zu denken
Stumm schreit ein Tier in mir,
das panisch einen Ausweg sucht
aus diesem Sumpf, aus dieser Furcht,
schlägt seine Krallen wild in meine Eingeweide,
reißt und kämpft mit aller Macht,
bis dass ich schreie, so wie ES –
panisch, hilflos ausgeliefert einem Sturm,
der tobt und brüllt und irgendwann
mich ganz erschöpft am Strand
wie altes Treibholz liegen lässt.

Zwischen die große und meine kleine Welt
packe ich dann Watte, die Wucht zu dämpfen,
mit der der Sturm mich schlägt.

Nicht anders weiß ich mir zu helfen,
als nur zu hoffen, dass der Sturm sich legt,
und in der Zwischenzeit
mich klein zu machen,
klein, ganz klein…