Safari – Tag 6

Gestern schon hatte uns Tony empfohlen, noch einen Ausflug in die Black Rock Gegend zu machen. Dort soll eine Gepardin mit drei Jungen gesichtet worden sein. Heute morgen folgen wir seiner Empfehlung und brechen daher wieder sehr früh auf in das Gebiet nahe der tansanischen Grenze. Ich genieße noch einmal die Fahrt durch die morgendliche Dämmerung in diesem weiten Land und lausche den Stimmen der Savanne.

wir haben ein grasendes Flusspferd aufgeschreckt

Plötzlich sagt Tony: „Da ist ein Hippo in der Wiese!“ Und tatsächlich, im dämmrigen Zwielicht erkennen wir die tonnenförmige Masse eines Flusspferdes beim Grasen. Er fährt darauf zu und urplötzlich wird dieses massige Tier unglaublich schnell. Wir können es mit dem Fahrzeug nicht einholen, wohl auch, weil der Untergrund etwas morastig wird. Und dann ist es weg wie ein Spuk.

Unsere üblichen Wegbegleiter sind da und ein Impala rennt mal nicht davon, sondern schaut uns erstaunt an. Immer wieder scannt Tony das Gelände. Man merkt, dass er ein wenig frustriert ist. Nichts. Keine Cheetah. Wir schlagen vor, noch einmal zu den Löwen am Black Rock zu fahren. Jetzt ist es noch so früh, dass sie sich noch bewegen. Das tun wir. Von den großen Herren ist aber keiner da, nur der Nachwuchs tummelt sich auf den Felsen.

ach je, seid ihr auch schon wieder da!?

Tony ist ehrgeizig. Er hat uns eine Cheetah-Mutter versprochen und will sie unbedingt finden. Und natürlich schafft unser Adlerauge das auch. „Da ist sie!“ Ich sehe – nichts. Steppe. Gras. Büsche. Erst als wir näher kommen, erkenne ich die Gepardin. Wir positionieren uns ganz in ihrer Nähe. Das stört sie nicht weiter. Mami sitzt vor dem Busch und die drei Kleinen haben sich darinnen versteckt. Hin und wieder lugt eines ganz vorsichtig raus. Dann beginnt die Mama, das Gelände zu sondieren. Eine Bande von Warzenschweinen zieht im Hintergrund vorbei. Das macht sie nervös. Die Viecher töten auch kleine Cheetahs! Allein lassen kann sie die Kinder nicht – das wäre viel zu gefährlich.

Sie schaut und schaut nach allen Seiten. Wahrscheinlich hat sie Hunger. Endlich scheint sie einen Entschluss gefasst zu haben. Sie dehnt und streckt sich, trichtert den Kids ein, bei ihr zu bleiben und vorsichtig zu sein, und dann marschiert die kleine Familie los. Stets wittern sie nach allen Seiten, ob Gefahr droht oder Beute in Sicht ist. Es ist ganz goldig, wie die Kleinen die Mutter imitieren! So gehen sie eine Weile durch das offene Grasland und rasten dann wieder bei einem der Büsche, von denen es hier so viele gibt. Immer schön in Deckung bleiben, Kinder!

Cheetahs, Marsch!

Ein Fahrzeug mit Rangern von der Cheetah-Wacht „Cheetahs forever“ kommt zu uns. Dank Tony wissen sie nun auch, wo die Cheetah-Mutter sich aufhält. Die Geparden sind eine gefährdete Art und ihr Nachwuchs wird oft Beute anderer Raubtiere. Daher gibt es hier etliche Menschen, die sich besonders um das Wohlergehen der Geparden kümmern. Vor ein paar Tagen trafen wir schon einmal auf eine Russin, die hier weithin als „Cheetah-Lady“ bekannt ist. Ich finde es tröstlich, dass diese bezaubernde Großkatzen so bekümmert werden!

Unsere Nachmittagsrunde führt uns noch einmal zu den Löwen, die natürlich wieder schlafen. Noch einmal bewundern wir die kahlen Bäume im Zwielicht der Dämmerung und nehmen innerlich Abschied. Morgen müssen wir zurück in die Heimat. Also wird schon mal der Koffer gepackt und dann beim Abendessen ein wenig gefeiert. Es war eine wunderbare Zeit hier in der Maasai Mara!