Safari – Tag 5

Heute morgen frühstücken wir ausgeschlafen zum ersten Mal gemütlich im Camp. Um 10 Uhr haben wir einen Termin in einem Maasai Dorf. Anschließend wollen wir noch eine Schule besuchen und uns einen Eindruck vom Unterricht verschaffen.

Tony bringt uns zum Dorf und übergibt uns dort dem Häuptlingssohn Kemai. Er ist noch sehr jung und spricht recht gut Englisch. Zur Schule gegangen ist er nicht, aber davon merkt man nichts. Zur Begrüßung kommen die jungen angehenden Krieger vor das Dorf und singen und tanzen einen Begrüßungstanz. Es ist sehr rythmisch und mir gefallen die kehligen Sprechgesänge.

Dann erklärt uns Kemai wie das Dorfleben funktioniert. Dieses Dorf ist groß – hier leben vier Familien, etwa 200 Menschen. Jede Familie hat einen eigenen Eingang zum Dorf. Die Hütten sind im Kreis angeordnet. Die Mitte ist für das Vieh reserviert, das nachts hier hineingetrieben wird, um nicht zum Löwenfutter zu werden. Dann werden auch die vier engen Tore zugemacht. Jetzt, tagsüber, ist der Platz leer. Die Rinder und Ziegen sind auf der Weide.

Maasai Frauen sammeln sich für ein Willkommensritual

Nun kommen einige Frauen, die ebenfalls ein Begrüßungsritual für uns singen und tanzen. Ich werde mit einbezogen und darf mitmachen. Danach kommen noch einmal die angehenden Krieger und tanzen den Adumu für uns. Das ist ein Maasai Ritual, ein Sprungtanz, bei dem die Männer hüpfen und so hoch wie möglich kommen sollen, ohne dass die Ferse den Boden berührt. Es springt immer einer oder zwei, die übrigen Männer feuern die Springer an mit ihrem Sprechgesang.

Dann zeigt uns ein junger Maasai, wie man ein Feuer entfacht. Das lernen bei uns nur noch die Pfadfinder, aber hier lernt es jedes Kind. Das Holzstück, das als Reibefläche verwendet wird, duftet sehr schön. Bald schon qualmt der Kuhdung und kurz darauf entsteht eine Flamme.

Die Hütten werden aus dünnen Holzstämmen gebaut und dann mit einer Mischung aus Kuhdung und Sand verkleidet und abgedichtet. Nur ein paar kleine Luftlöcher sind in die Wände eingelassen. Als wir eine der Hütten betreten dürfen, sehe ich erst einmal nichts. Es ist stockdunkel darin. Erst langsam gewöhnen sich meine Augen an das Zwielicht, und ich erkenne Schlafnischen an den Seiten und eine Feuerstelle in der Mitte. Hier wird auch gekocht. Ich frage mich, wie man in dem Raum atmen kann, wenn er voller Menschen ist und ein Feuer brennt.

Zum Abschluss werden wir zum Basar gebracht und aufgefordert, Schmuck oder andere Ethno-Andenken zu erwerben. Ich kaufe anstandshalber einen Armreif.

offenbar sind nicht alle Kinder in der Schule

Beim Verlassen des Dorfes erklärt uns der Häuptlingssohn seine Ambitionen für das Dorf. Er strebt den Kauf von Solarpanels an, damit endlich Elektrizität Einzug in die Hütten hält. Wenn die Kinder zur Schule gehen, müssen sie auch lernen. Dafür braucht man Licht. Auch Radio und Fernsehen gibt es hier nicht. Aber was man nicht kennt, vermisst man auch nicht.

Ein paar Kinder spielen auf dem Dorfplatz und vor dem Dorf. Offenbar gehen doch nicht alle zur Schule.

Kemai zeigt uns einen Akazienbusch und seine langen starken Dornen. Diese Büsche wachsen überall wie Unkraut und häufig sind sie die Ursache dafür, dass Löwen auf einem Auge blind sind – sie rennen bei der Jagd durch die Büsche und Dornen bohren sich in ihre Augen. Fatal!

Nach dem Abschied vom Dorf gehen wir ein paar hundert Meter zum Schulkomplex der Oloigero Grundschule. Hier werden wir dem Rektor vorgestellt. Er berichtet, dass über 500 Schüler und Schülerinnen hier sind, teils als Tagesschüler, teils auch mit Unterbringung für diejenigen, die zu weit entfernt zuhause sind, um den Schulweg täglich zu laufen. Für die Mädchen gibt es einen Schlafsaal, die Jungen haben noch keinen und schlafen in den Klassenräumen. Zu den Zielen der Schule, die uns der Rektor benennt, gehört daher an vorderster Stelle ein Schlafsaal für die Jungen.

Oloigero Primary School

Wir dürfen kurze Zeit in ein paar Unterrichtsstunden hinein schnuppern. Die Kinder tragen Schuluniformen, ein Relikt der britischen Besatzungszeit und eine gute Sitte, wie ich finde.

Der Unterrichtsstil der Lehrer ist sehr unterschiedlich. Die Unterrichtssprache ist Englisch, aber ich habe oftmals Mühe, es zu verstehen, so stark ist der Akzent. Zu den Unterrichtsfächern dieser Grundschule gehören die Sprachen Suaheli und Englisch sowie Sozialkunde und Geschichte, auch Hygiene, Biologie und Geografie. Es wird Grundwissen vermittelt, auf Gefahren in alltäglichen Situationen aufmerksam gemacht. Ich habe bei dem kurzen Besuch z. B. gelernt, wie die einzelnen Zähne auf Englisch heißen und welche Funktion sie haben.

Da der Unterricht bis spät nachmittags geht, werden Kinder und Lehrer mittags auch verpflegt, und wir dürfen einen Blick in die Küche werfen und den Speisesaal anschauen. Hier fehlen ganz offensichtlich noch Möbel, denn Sitzgelegenheiten gibt es nur ganz wenige. Die staatlichen Zuschüsse sind gering. Die Maasai Familien müssen größtenteils selbst für die Kosten der Schule aufkommen. Vieles wird auch durch Spenden finanziert. Ich überlege seither, wie man hier tätig werden könnte.

Dann werden wir von Tony wieder abgeholt und fahren zum Camp zurück. Der Nachmittagsausflug ist heute ohne besondere Highlights. Wir sehen einen Geparden im Gebüsch, einen Schakal und die üblichen Herden. Heute mal keine weiteren Löwen.

Fortsetzung folgt…