Osadai

Safari – Tag 3

Auch heute wieder ganz früh los, wollen noch einmal aktive Löwen finden. Doch so richtig aktiv sind sie wieder nicht. Es sind eben nächtliche Jäger, und zu der Zeit dürfen wir nicht hier sein. Zumindest heben sie mal den Kopf. Heute haben wir das Hammerkop Rudel gefunden, das vier große männliche Löwen hat. Einer davon schaut mich an: Osidai. Ist er nicht schön?!

Nachdem wir das Rudel verlassen, begegnen wir der ein oder anderen Hyäne. Sie sind immer in der Nähe der Löwen, weil dort wahrscheinlich die meisten Reste anfallen. Dann treffen wir auf eine größere Büffelherde. Diese mächtigen Tiere machen einen so gemächlichen Eindruck, dass man gar nicht glauben mag, wie gefährlich sie sein können. Mir wird schon etwas mulmig, als Tony einfach mitten durch die Herde brettert. Erschreckt stürmen die Tiere durchs Gebüsch auf der Flucht vor dem großen Blechungeheuer.

mitten durch die Herde…

Tony hat eine Information bekommen: da ist eine Löwin auf der Jagd. Wir fahren zum Schauplatz. Etliche andere Jeeps sind auch schon da. Nach etwas Bemühen sehe ich sie, ganz geduckt schleicht sie sich an. Sie hat eine kleine Horde Warzenschweine ins Auge gefasst, die hier auch spöttisch „Löwenwürstchen“ genannt werden. Die sind noch weit weg von ihr. Geduldig schauen wir der Löwin zu, wie sich sie ganz langsam immer näher heranschleicht. Und dann geht alles auf einmal ganz schnell – sie spurtet los, im gleichen Moment stürzen die Warzenschweine in wildem Galopp davon.

Wie sie das arme Schwein fängt, sehe ich nicht wegen der Büsche. Alle Jeeps geben Gas und brausen hinterher, wir auch. Dann finden wir sie, wie sie mit ihrer Beute vor einem Busch steht, rundum Jeeps mit gaffenden Touristen. Ein Weilchen ist sie irritiert, aber dann pfeift sie auf die Zuschauer und beginnt ihr Würstchen zu verspeisen. Wir fahren.

Noch einmal haben wir heute Glück und finden die fünf Brüder. Diese Gruppe Geparden ist berühmt in der Mara. Seit sie klein sind, sind sie zusammen geblieben. Sie jagen zusammen, sie trinken zusammen, sie schmusen und putzen sich gegenseitig – es ist eine reine Freude, ihnen zuzusehen.

Band of Brothers

Wir beobachten sie eine Weile und fahren dann langsam zum Camp zurück. Mittagspause. Ein Adler sitzt im Feld und sucht nach Beute. Ein paar Warzenschweine buddeln im Boden. Diese hier sind rot-blond, ihre Frisur erinnert uns an einen amerikanischen Staatsmann. Witzig, wie sie fressen – sie liegen dabei auf den Knien.

Nach der Mittagshitze, gegen 16 Uhr fahren wir zu unserer Abendrunde wieder los. Seltsam, dass man schon nach wenigen Ausfahrten die „gewöhnlichen“ Tiere wie Antilopen, Zebras und Giraffen kaum noch beachtet. Sie sind einfach immer und überall dabei.

Wir streben zum Hippo-Pool. Einige abenteuerliche Flussüberquerungen später finden wir die Stelle. Hier tummelt sich eine ganze Flusspferd-Herde im Wasser. Ich zähle mindestens 15 Stück. Von den meisten sieht man nur die Augen und die Nasenlöcher. Ab und zu streckt eines den Kopf hoch und gähnt. Ich bin ganz baff, wie weit sie das Maul aufreißen können!

Als wir ein Stückchen weiter den Fluss entlang fahren, sehen wir ein riesiges Krokodil. Aber es hat Eile und taucht ab, bevor ich die Kamera im Anschlag habe. Ein kleineres Krokodil bleibt auf einem Stein liegen und sonnt sich.

Sonne tanken, wichtig für kaltblütige Reptile

Zum Abschluss des Tages besuchen wir noch ein Löwenrudel. Sie liegen faul neben- und übereinander. Mal hebt die eine den Kopf, dann die andere. Aber nichts passiert. In einiger Entfernung hockt ein Leopard und beobachtet gespannt das Löwenrudel. Eine Löwin wird aufmerksam. Urplötzlich gibt der Leopard Fersengeld und verschwindet mit einem Affenzahn im Busch, aus dem erschrocken eine kleine Gazelle hervorbricht. Wir suchen ihn noch ein Weilchen, aber er bleibt verschwunden. Mit den Löwen kann er nicht – sie sind Fressfeinde. Nicht umsonst nennt man den Löwen König der Savanne. Mit ihm hält keine andere Katze mit. Die Löwen lassen sich nicht stören und bleiben einfach liegen.

Auf der Rückfahrt erleben wir wieder einen wunderschönen Sonnenuntergang.

Fortsetzung bei Tag 4